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Als einer der ersten Träger
im Bereich der Hilfen für Personen in besonderen sozialen
Schwierigkeiten, der Hilfe für junge Erwachsene und der Drogenhilfe, hat
der KIM-Soziale Arbeit e.V. die Diskussion um Qualität und Qualitätssicherung
in der Sozialarbeit bereits 1996/97 aufgegriffen. In Zusammenarbeit mit der Beratungsfirma
Reimann & Partner GbR
entstand ein umfangreiches und effektives QM-System, das nicht nur bei den
Kostenträgern, sondern auch in der Fachöffentlichkeit viel Beachtung
gefunden hat. So wurde in der Fachzeitschrift "Wohnungslos"
(2/99) ein ausführlicher Erfahrungsbericht veröffentlicht. Im Folgenden
geben wir einen Artikel inhaltlich wieder, der das QM-System beschreibt. Er wurde in
der Fachzeitschrift "Jugendhilfe" (5/99) veröffentlicht.
Da im nachfolgenden Artikel noch der alte Vereinsname zitiert wird und die angebotenen Hilfen des Vereins mittlerweile deutlich ausgeweitet wurden, schimmert hier ein bißchen Vereinsgeschichte durch. In der Zwischenzeit ging die Qualitätssicherungsarbeit in den Einrichtungen der 'Frauen-WG' und dem 'Regenbogen' weiter und wird ab Herbst 2003 in der 'Anlaufstelle' fortgesetzt. Die geleistete und zu leistende Arbeit im Rahmen der Qualitätssicherung wird mittlerweile im KIM-Soziale Arbeit e.V. von den Mitarbeitern als umfangreiche 'interne Fortbildung' geschätzt.
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Operationalisiertes Qualitätsmanagement
Bericht über einen Paradigmenwechsel im KIM-Jugendcenter e.V., Paderborn Günter Helling, Manfred Köllner, Christoph Heldt
Der KIM-Jugendcenter e.V. ist ein Verbund von fünf verschiedenen
Einrichtungen im Bereich der Jugendhilfe, der Hilfe für Personen in
besonderen sozialen Schwierigkeiten sowie der Drogenhilfe. Außer der
nachstehend näher diskutierten ‚Sozialtherapeutischen Wohngemeinschaft
für junge Männer‘ befinden sich eine ‚Sozialtherapeutische
Wohngemeinschaft für Frauen‘, die substitutionsbegleitende
Wohngemeinschaft ‚Regenbogen‘, eine ‚Anlaufstelle für Personen nach
der Haftentlassung‘ und das Tätigkeitsfeld ‚Streetwork‘ mit Übernachtungsstelle
und Treffpunkt (Café) in der Rechtsträgerschaft des Vereins. Die Rechts-
bzw. Finanzierungsgrundlagen sind die §§ 41 SGB VIII, 72 BSHG und 39 f.
BSHG. Die Einrichtungen befinden sich in acht verschiedenen Häusern im
Stadtgebiet von Paderborn, die Arbeit ist dezentral organisiert.
Qualitätsmanagement – eine unendliche Verwirrung
Grundsätzlich sind Dienstleistungen im allgemeinen und sozialtherapeutische im
besonderen gegenüber gewerblich-industriellen Produktions- oder
Sachleistungen durch mindestens drei wesentliche Merkmale zusätzlich
charakterisiert:- relativ hoher Abstraktionsgrad (Immaterialität),
- schwierige Erfaßbarkeit,
- Individualität.
Neben diesen prinzipiellen Unterschieden ist festzustellen, daß sämtliche
Instrumente zur Darstellung und Messung von Qualität eines Produktes oder einer Leistung ihren Ursprung
im industriell-technischen Bereich haben und zum Teil bis in die 60er
Jahre zurückgehen. In diesem Zusammenhang stiften die in den Fachbeiträgen
erörterten Qualitätsmanagement-Systeme (QMS) wie DIN EN ISO 9000, Kaizen,
TQM, 2 Q-Methode, Benchmarking etc. kaum Klarheit. Gerade deswegen, weil
es bisher offensichtlich keinen eindeutig ‚richtigen‘ Ansatz zur
Illustration sozialtherapeutischer Arbeitsinhalte gibt, führte die
notwendige Entscheidung über die zu wählende methodologische Plattform,
deren konkrete Umsetzung und ihre ‚Alltagstauglichkeit‘ in unserem
Team zu einer verfahrenstechnischen Desorientierung.
Lange vor der tatsächlichen Einfügung der §§ 78a-g in das SGB VIII wurde auf
allen Ebenen über die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit von Qualitätsmanagement
im Bereich der Jugendhilfe diskutiert. Ebenso wie in Fachzeitschriften und
trägerübergreifenden Arbeitskreisen war das Thema auch innerhalb unserer
Mitarbeiterschaft des KIM-Jugendcenter ständig präsent. Allerdings war
diese Frage sehr stark mit diffusen Ängsten besetzt. Zunächst kam es
daher zu heftigen Auseinandersetzungen. So heißt es in einem internen
Diskussionspapier von 1997: „Schon der Begriff Qualitätssicherung ist
irreführend – gesichert werden muß nur, was angegriffen wird – es
geht viel mehr um Qualitätskontrolle.“ Die Verwandlung des Verhältnisses
‚Sozialarbeiter – Klient‘ in ein Verhältnis ‚Dienstleister –
Kunde‘ entzog sich dem sozialarbeiterischen Selbstverständnis.
Es war daher zunächst mehr der Druck von außen, durch die zu erwartenden
Gesetzesänderungen, der den Prozeß; bei uns initiierte. Allerdings setzte
sich die Erkenntnis durch, daß ein Ignorieren der neuen Anforderungen nur
zur Konsequenz haben konnte, daß den Einrichtungen irgendwann ein wie
auch immer gestaltetes Qualitätssicherungssystem übergestülpt werden würde.
Die Entwicklung eines eigenen QMS bot aber die Chance, die eigenen Bedürfnisse in die Gestaltung einzubeziehen.
An einem Projekttag zum Qualitätsmanagement wurde unter
Einbeziehung aller MitarbeiterInnen über die ‚persönlichen und
gemeinsamen Grundsätze der KIM-Arbeit, Identität und Menschenbild‘
diskutiert. Es war der Beginn einer Leitbilddiskussion. Weitere Themen
waren:
- die Struktur des KIM-Jugendcenter,
- unser Bild in der Öffentlichkeit,
- Überprüfbarkeit und Dokumentation von Arbeitsinhalten.
Damit waren alle wichtigen Punkte des daraus entstehenden Qualtiätsmanangement-Systems
angesprochen. Da die Themen natürlich nicht erschöpfend behandelt werden
konnten, wurde ein Qualitätszirkel eingerichtet. Diesem sollten die
Einzeleinrichtungen zuarbeiten. Der Schwerpunkt wurde zunächst auf die
Beschreibung der Strukturen unserer einzelnen Einrichtungen und der
Gesamtorganisation gelegt. Als schwierig erwies sich allerdings, daß sich
der eigentliche Kern der Arbeit, der sozialtherapeutische Prozeß, einer
Beschreibung zu entziehen schien. Eine Prozeßqualität war mutmaßlich
nicht darstellbar.
Die EntscheidungIn
dieser Situation wurde von der KIM-Geschäftsführung entschieden, daß
mit Hilfe einer externen Unternehmensberatung, Reimann & Partner,
Bielefeld, nicht nur die von den Kostenträgern erwartete
‚Leistungsbeschreibung‘ zu erstellen sei, sondern es sollte ein
Verfahren implementiert werden, das über die statische Bestandsaufnahme
von Strukturen hinaus, eine operationalisierte Prozeßdarstellung und
nachhaltige Sicherung der Ergebnisqualität garantieren konnte.
Weitgehend beeinflußt wurde diese Zielvorgabe von u.E. beobachtbaren,
offensichtlichen sozialpolitischen Tendenzen, die nun auch in der
Jugendhilfe – wie bereits in anderen Segmenten des intermediären
Dienstleistungsbereiches – Qualitätsmanagement zu einem unabdingbaren,
normativen Element der Unternehmenspolitik erheben werden:
Neben den bekannten
konzeptionellen Grundlagen werden Maßnahmen und Verfahren zur laufenden
Validierung sozialtherapeutischer Arbeit gefordert; die
Leistungsbeschreibung ist ein erster Schritt in Richtung eines QMS.
- Die Kostenträger wünschen
angesichts enger werdender finanzieller Mittel eine Transparenz im
Preis-Leistungs-Verhältnis.
- Der Finanzmitteleinsatz der
Kostenträger wird in Zukunft sicherlich stärker an nachvollziehbare
Qualitätskriterien und ökonomische Effizienz der Leistungserbringer
gebunden.
- Arbeitsergebnisse und -qualität
werden in diesem Kontext künftig zunehmend empirisch zu belegen sein.
- Qualitätsentwicklung fördert
die Professionalisierung pädagogischer Aufgaben und das Selbstverständnis
sozialer Arbeit.
Um den erkennbaren Entwicklungen und Ansprüchen gerecht zu werden, sollte
als Arbeitsergebnis die Struktur-, Prozeß- und Ergebnisqualität in einer
umfassenden Dokumentation mit Formularen, Checklisten,
Leistungsbeschreibungen und Verfahrensanweisungen (VA) nach den einzelnen
Bereichen in Form eines Qualitätsmanagement-Handbuchs (QMH) stehen.
Das QMH ist das Kernstück eines jeden Qualitätsmanagement-Systems.
Es beschreibt und dokumentiert das gesamte System bzw. das Unternehmen.
Durch den so festgehaltenen Istzustand wird das Leistungsangebot nach
innen und in Teilbereichen nach außen transparent gemacht. Dieser
Istzustand bildet aber auch die Basis für Korrekturen und dient zur
weiteren Optimierung. Die folgende Matrix zeigt die wesentlichen Merkmale
und Ausprägungen.
Tab.1: Merkmale und Ausprägungen von Struktur-, Prozeß- und Ergebnisqualität
| Fragen |
was brauchen wir für unsere Arbeit? |
machen wir die Dinge richtig? |
machen wir die richtigen Dinge? |
| Ziele |
bedarfs- und leistungsgerechte Ausstattung |
fachlich hohes Dienstleistungsangebot |
hoher Nutzen für die Leistungsberechtigten |
| Inhalte |
Voraussetzungen, Rahmenbedingungen |
Abläufe |
Wirkung, Zielerreichung |
| Größen |
Personal, Ausstattung |
Verfahren, Methoden |
ergeben sich aus dem Therapieprozeß |
Es sei erwähnt, daß eine Zertifizierung, sofern nicht
unbedingt erforderlich oder ausdrücklich gewünscht, nicht im Mittelpunkt
eines Qualitätsentwicklungsprozesses stehen muß. Gut strukturierte,
inhaltlich hochwertige Darstellungen sowie methodisch saubere Prozeßbeschreibungen
erzeugen mit Sicherheit die gewünschte Wirkung nach innen und außen.
Auch bei uns im KIM-Jugendcenter ist an ein Zertifizierungsverfahren bis
auf weiteres nicht gedacht. Die Gliederung unseres QMH sieht wie folgt
aus:
- Qualitätspolitik
Bekenntnis der Leitung Ziele des QMS
- Verantwortung der Leitung bezogen auf das QMS
Leitung
Qualitätsbeauftragter
Leitende MitarbeiterInnen
- Benutzerhinweise
Verwendete Abkürzungen
Begriffdsdefinitionen
- Strukturen
Leistungsangebot / Leistungsbeschreibung
Organigramm
Ausstattung
Personal
- Prozesse
Verbale Beschreibung
Ablaufdokumentation
Verfahrensanweisungen
Arbeitsanweisungen
- Qualitätssicherung
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